Freiburg: Höhepunkt der „Kunst, Kultur & Tränengas“-Tage. Regnerische „Love-or-Hate-Parade“ & selbstverwaltetes Konzert treffen auf unverhältnismäßige Polizei

Anlässlich der „Kunst, Kultur & Tränengas“-Tage fand am vergangenen Samstag, den 7. August 2021, in der Freiburger Innenstadt eine Love or Hate Parade mit rund 160 Demonstrant*innen statt. Die Demonstration erinnerte an die Räumung der Wagenburg „Kommando Rhino“, die vor zehn Jahren in Freiburg-Vauban stattgefunden hatte und stellte die Bedeutung von Freiräumen in den Fokus des Aufzuges.

Auf der Auftaktkundgebung auf dem Vorplatz des Stadttheaters hielt eine Person aus dem Organisationsteam eine Rede, bevor die Antifaschistische Jugend Freiburg einen Beitrag verlas. Eine weitere Person aus dem Organisationsteams der Demo sprach in ihrer Rede über die Bedeutung der Love-or-Hate-Parade.

Die Polizei war bereits von Anbeginn an mich einer großen Anzahl an Kräften vor Ort. Eine Pferdestaffel und mehrere BFE-Greiftrupps positionierten sich in unmittelbarer Nähe zum Kundgebungsort.

Die Love-or-Hate-Parade startete schließlich über die Bertoldstraße. Voraus fuhren bunt gekleidete Demonstrantinnen mit Perücken auf Fahrrädern. Der Demonstrationszug hatte zwei Lautsprechecherwagen, aus denen Musik schallte und die Demonstrantinnen riefen Parolen.

Über die Kaiser-Joseph-Straße bog die Demonstration erneut nach links in die Rathausgasse, zog dann weiter über die Merianstraße auf den Friedrichring, über den Europaplatz wieder zurück auf der Kaiser-Joseph-Straße, bis zum Bertolfsbrunnen, wo eine Zwischenkundgebung stattfand.

Eine aufgezeichnete Rede der seit 11 Jahren besetzten Gartenstraße19 wurde abgespielt, dann eine des Schattenparker-Wagenplatzes.

Die Love-or-Hate-Parade zog nach der Zwischenkundgebung durch das Martinstor bis zur Rempartstraße, wo auf dem Weg ein pinker Rauchtopf gezündet worden war. Die Polizei reagierte auf diese vermeintliche Ordnungswidrigkeit äußerst eskalativ. Die zahllosen Polizist*innen brachten die Demonstration zum Stehen und zogen ihre Helme auf. BFE-Einheiten brachten sich in Stellung und die Pferdestaffel beobachtete das Geschehen. Einsatzleiter Dümmig ließ keinen Zweifel daran, dass die Polizei bei jedem kleinsten Vergehen jegliches Maß an Verhältnismäßigkeit überschreiten würde. Behelmte Einheiten stießen und drückten in das Fronttransparent und per Lautsprecherdurchsagen informierte die Polizei, dass der Zug nicht weiterlaufen gelassen würde, sofern sich keine Verantwortlichen fänden, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine statische und äußerst angespannte Situation entstand, die sich über mindestens 15 Minuten zog.

Nach Verhandlungen zwischen Demonstrant*innen und Polizei konnte die Demonstration schließlich weiterlaufen. Eng begleitet von unverhältnismäßig vielen behelmten Polizei-Einheiten. Die Love-or-Hate-Parade zog über die Belfortstraße in das Sedanviertel, später eine Schleife durch‘s Viertelchen „Im Grün“, das sich kurzzeitig in eine Polizeiburg verwandelte. Die Polizei wirkte sichtlich überfordert und so hatte u.a. eine BFE-Einheit die falsche Straße abgesperrt.

Mitten in der Gretherstraße sorgte die Polizei erneut für einen Stillstand über mehrere Minuten. Aufgelöst wurde die Demonstration letzten Endes in der Wilhelmstraße Ecke Belfortstraße, nachdem ein Redebeitrag vom Kyosk-Kollektiv gehalten worden war.

Etwa eine Stunde später verwandelte sich der Stadtteil Freiburg-Vauban zu einer Polizeiburg. 5 Wagen von Freiraum-Aktivistinnen haben sich auf dem Alfred-Döblin-Platz in einem Kreis aufgestellt und es war offensichtlich geplant den Platz mit mehreren Bands zu bespielen. Auch hier signalisierte die Polizei kaum Kompromissbereitschaft, drohte mit Räumung des Platzes und Beschlagnahme der Wagen. Zig Polizeifahrzeuge belagerten die Straßen des „Autofreien Stadtteils“. Dies sorgte nicht nur bei den Freiraum-Aktivistinnen für Unmut, die die „Kunst, Kultur & Tränengas“-Tage mit dem Konzert ausklingen lassen wollten. Auch Anwohnerinnen Vaubans zeigten sich verständnislos bei dieser massiven Polizeipräsenz. In Gesprächen zeigte sich, dass die Polizeistrategie nicht vermittelbar geworden war. So war auch hier der Vorwand den Stadtteil unter Polizeibelagerung zu stellen, die vermeintliche Ordnungswidrigkeit auf der vorherigen Demonstration, bzw., wie es von mehreren Polizistinnen verlautet wurde: „Die Demonstrant*innen haben sich vorher schlecht benommen.“

Das Konzert konnte letztendlich stattfinden. Die Akkustikband „Arbeitstitel Tortenschlacht“ spielte auf dem Platz, die Bands „Thea Woofer“ und eine Punkband spielten auf der Bühne, die zuvor auf Grund des alternativen Wohnprojektes SUSI umgezogen war. Das Publikum, 100 – 200 Menschen, konnte also trotz des absurden Polizeieinsatzes auf dem Alfred-Döblin-Platz feiern und sich zumindest für eine gewisse Zeit den Platz dafür in Anspruch nehmen.

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