Freiburg: Antifa-Demo in Reaktion auf rechte Gewalttaten

Vergangenen Samstag, den 19. Juni, fand in Freiburg eine antifaschistische Demonstration statt, an der sich mehr als 300 Menschen beteiligten. „Viel zu viele Einzelfälle – Kein Angriff ohne Antwort“ lautete der Titel und Anlass waren die beiden rechten Gewaltakte, die eine Woche zuvor geschehen waren. Den Pfefferspray- und Messerangriff durch Robert Hagerman auf mehrere Personen in der Weddigenstraße/Wiehre und die rassistische Hetzjagd auf einen Menschen lettischer Nationalität in der Eschholzstraße/Stühlinger.

Die Versammlung wurde in der Urach- Ecke Günterstalstraße mit einer Rede eröffnet, die beide Angriffe zum Thema hatte. Die Vorfälle wurden dabei in den Kontext eines fortschreitenden Rechtsrucks in der Gesellschaft gesetzt. In der Ansprache wurde außerdem die Rolle von Polizei und Medien bei den Taten kritisiert. Konkret wurde skandalisiert, dass z.B. ein Polizist bei der rassistischen Hetzjagd in Freiburg-Stühlinger maßgeblich tatbeteiligt gewesen sei und die Polizei erst nach Presseanfragen eine Meldung zu dem Fall veröffentlichte.

Strenge Worte wurden des Weiteren an diejenigen gerichtet, die bei den Vorfällen nicht geholfen haben, sondern weitergingen. Die Autor:innen der Rede sehen darin eine Mitschuld daran, dass Faschist:innen Andersdenkende unbehelligt angreifen könnten. Sie fordern alle Menschen dazu auf bei Übergriffen einzuschreiten und diese nicht zu ignorieren.

Im Abschlussteil der Rede heißt es: „Wir sind entsetzt, wir sind traurig, wir sind wütend.

Aber wir sind auch nach diesen Angriffen dazu entschlossen, unsere Kämpfe für eine freie, solidarische Gesellschaft weiter zu führen! Wir lassen uns nicht unterkriegen, wir lassen uns nicht einschüchtern, wir schauen nicht zu wie auf den Straßen Freiburgs Nazis Menschen angreifen, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen!“

Der Demonstrationszug setzte sich laut und flotten Tempos in Bewegung und lief durch die Wiehre. Am Tatort angelangt, wo Robert Hagerman (AfD) eine Woche zuvor mehrere Menschen mit Pfefferspray verletzt und eine Person mit einem Messer niedergestochen hatte, wurde ein Redebeitrag verlesen. Dieser thematisierte diesen Angriff, und stellte ihn in den Kontext Hagermans Aktivismus in der lokalen verschwörungsideologischen ‚Querdenken‘-Szene. Außerdem wurde die Polizei kritisiert, die in ihrer Pressemitteilung nur die Sicht des mutmaßlichen Täters wiedergegeben hatte. Auch dass Robert Hagerman am selben Tag in die Freiheit entlassen wurde zeige, wie „erschreckend und inakzeptabel“ mit solchen Taten umgegangen werde. So rufen die Autor:innen der Rede „alle Menschen in Freiburg und darüber hinaus dazu auf, sich zusammenzutun, sich zu organisieren und gemeinsam aktiv zu werden, um gegen faschistische Parteien wie die AfD und rechte Bewegungen wie Querdenken Widerstand zu leisten!“

Nach der Zwischenkundgebung bewegte sich die Demonstration zum Wohnort Robert Hagermans in der Langemarckstraße. Auf dem Weg wurde Pyro gezündet und die Nachbar:innenschaft mittels Parolen auf den braunen Messerstecher aufmerksam gemacht. Im Anschluss an den nächsten Halt brachte die Polizei den Demonstrationszug zum Stehen und die Einsatzkräfte zogen ihre Helme auf. Es sei Pyrotechnik in ihre Richtung geworfen worden, so die Begründung. Auch später, kurz vor der Merzhauser Str. brachte die Polizei die Demonstration zum Stillstand. Diesmal gab sie an, dass keine Absprachen über die weitere Route getroffen worden seien. Nach weiteren Gesprächen ließen die Polizei-Einsatzkräfte die Demonstration gewähren.

Schließlich bewegte sich der Demonstrationszug zurück über die Lorettostraße zum Ausgangspunkt der Versammlung. Eine Spontandemo von der Günterstalstraße zur Johanniskirche hatte die Polizei verhindert. Die Demo konnte sich letzten Endes friedlich auflösen.

Zu einer unschönen Szene kam es dann noch. Ein offensichtlich stark alkoholisierter Mann zeigte mehrfach den „Hitlergruß“ und provozierte dadurch die verbliebenden Demonstrierenden. Polizist:innen nahmen den Mann vorläufig in Gewahrsam.

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